Silence is golden

Baumkronen ©Claudia Spieß

Silvesterflucht

In meinem 2021er-Jahresrückblick hab ich ihn erwähnt – den missglückten Silvester-Flucht-Urlaub. Bereits im Dezember 2020 wollte ich der lauten Stadt mitsamt ihrer tage- / wochenlangen Silvester-Knallerei entfliehen. Doch dazwischen kam – tadaaa – Corona. Eine Reise war zu dieser Zeit nicht möglich. 

Diesen Jahreswechsel wurde mein Wunsch nach einem ruhigen Silvester endlich erfüllt. Und ich verbrachte ihn da, wo ich bereits zu Silvester 2020/2021 hin wollte: Tragöß in der Steiermark. 

Tatsächlich konnt ich hier um 22 Uhr schlafen gehen. Ja, es wurde auch hier geknallt. Aber weitaus weniger und tatsächlich nur in der Silvesternacht. Ich hab die Knallerei gehört. Dumpf und weiter entfernt. Durch die Berge rundherum erhielt das Ganze zwar einen gewissen Hall und Nachklang. Aber ehrlich, was ist das gegen den hundertsten Böller, der direkt vor der Haustür im Kanal gezündet wird und es klingen lässt, als wäre er in deinem Ohr explodiert? – Nix. Danke, liebe Leute am Land.

Viel mehr als nur Silvesterflucht

Aber das war in dieser leider viel zu kurzen Auszeit nur einer der netten Nebeneffekte. Empfangen hat uns hier eine wunderschöne Gegend. Die Ruhe hier wurde unterbrochen vom feinen Plätschern des Bächleins, das direkt an unserem Häuschen da vorbeifließt. Ab und zu hört man ein Vogerl zwitschern, ganz selten einen Traktor oder ein Auto. 

Menschen sieht man so wenige, dass man sich über sie freut, wenn man im Vorbeigehen freundlich grüßt oder sogar das eine oder andere Wort wechselt. Ansonsten war hier einfach eine wunderschöne, ruhige Gegend, mitten in der Natur, eingebettet zwischen den Bergen.

Wald, Wald, Wald

Gassirunden drehten mein Bogey, meine Mama, die uns begleitete, und ich meist im vor der Tür gelegenen Wald. – Dem „Galgenwald“ von Tragöß. Ein kleines Wäldchen eigentlich, das so klein gar nicht sein kann, dass es hier nicht Millionen Dinge zu entdecken gibt – vor allem für den Herrn Wuff, der sich hier wohl genauso wie sein Frauerl einfach nur angekommen fühlt. 

Der weiche, moosige, von Nadeln bedeckte Waldboden, über den man ewig laufen möchte, wobei man nur ab und zu ein leises Knacken eines Asterls hört, das sich im Boden versteckt. Unzählige Gerüche, die Bogey interessiert verfolgen konnte. – Ein Stück rauf, wieder runter, weg vom Weg, rein zwischen die unzähligen Bäume. Und das Frauerl breit grinsend hinterher. Ein Abstecher zum Bächlein, der Laming, die sich hier zwischen den Dörfern entlang schlängelt, und wieder zurück in den Wald. An einem Tag entdeckt man eine Lichtung, am nächsten Tag einen Platz, an dem Holz geschlägert und gestapelt wird. Der feine Geruch von frischem Holz macht sich breit und möcht gar nicht mehr aus der Nase verschwinden. Bis man wieder bei den Wiesen angekommen ist und die sogenannte „Landluft“ (ja, hier gibt es Kühe 😉 ) wahrnimmt, die sich rasch wieder mit dem angenehmen Waldduft abwechselt. 

Die Luft – unbeschreiblich klar, man möcht gar nicht mehr aufhören, tief einzuatmen. So tief, dass die morgendliche kalte Luft fast schon in der Lunge brennt. Trotzdem tut es so gut, man fühlt sich so klar, so frisch, so lebendig.  

Stundenlang waren wir mit Bogey unterwegs. Kaum wieder in der Unterkunft angekommen, mag man schon wieder hinaus. Und auch, wenn man das bergauf-bergab nicht gewöhnt ist, und sich ein leichtes Ziehen in den Waden bemerkbar macht: Egal, es tut einfach soooo gut! 

Danke, Wald. Schön, dass es dich in dieser Form noch gibt. 

Grüner See

Wer den Grünen See in Tragöß kennt, weiß, dass zu dieser Zeit kein wirklicher See zu erwarten ist. Gespeist wird er vom Schmelzwasser der Ausläufer der Hochschwab-Gruppe. Tja, und die Schneeschmelze beginnt nun mal normalerweise nicht im Winter.
Bei unserem Besuch hier haben wir trotzdem eine wunderschöne Gegend vorgefunden, und es war etwas ganz Besonderes, am eigentlichen Grund des Sees spazieren zu gehen.

Trotzdem macht es uns nachdenklich. Denn ein Blick auf die Berge rundherum zeigt wenig Schnee. Wie viel hier in nächster Zeit noch kommen wird – man weiß es nicht. Man kann nur hoffen, dass uns dieses Naturschauspiel, dieser atemberaubend schöne, glasklare, türkis-grüne See, noch lange erhalten bleibt.

Danke.

Danke, du schöner Teil der schönen Steiermark. Wir haben uns so wohl gefühlt inmitten dieser schönen Natur und Stille. 

Hektik, Stress, Lärm und Alltags-Gedanken oder -Sorgen verschwanden in dem Moment, in dem wir den Wegweiser Richtung Tragöß gesehen haben. Mit jedem Kilometer haben wir sie weiter hinter uns gelassen und die Ruhe hier genossen. Dementsprechend schwer war auch der Abschied. Zu schnell holt einen der Alltag wieder ein. Doch die Erinnerungen bleiben, das schöne wohlige Gefühl ebenso. Und die Gewissheit, dass wir bald wiederkommen werden. 

Danke. Bussi, Tragöß <3

"Die vielen Bäume und die wenigen Menschen – die machen den Wald so schön."

— Otto Weiß —